KI-Wochenrückblick: Die Woche, die die Software-Branche erschütterte (3.–8. Februar 2026)
KI-Wochenrückblick steht im Mittelpunkt dieses Guides. Diese Woche war eine der turbulentesten in der Geschichte der Software-Industrie. Anthropics neue Claude-Tools lösten einen Billionen-Dollar-Ausverkauf aus, OpenAI konterte mit GPT-5.3-Codex, Google verdoppelte seine KI-Investitionen — und Nvidia-CEO Jensen Huang nannte die Panik "unlogisch". Hier ist alles, was passiert ist.
Anthropics Claude Cowork löst Marktbeben aus — KI-Wochenrückblick
Die Woche begann mit einem Paukenschlag: Anthropics neue Claude Cowork Plug-ins — branchenspezifische Tools für Recht, Finanzanalyse und Unternehmensworkflows — lösten den größten Software-Aktiencrash seit Jahren aus.
Die Zahlen sind erschreckend:
- Knapp 1 Billion Dollar wurden aus Software- und Service-Aktien ausgelöscht
- Der S&P 500 Software & Services Index fiel um über 4% an einem einzigen Tag
- Die Verluststrähne erstreckte sich auf acht aufeinanderfolgende Handelstage
- Der Index liegt seit Jahresbeginn bereits etwa 20% im Minus
Besonders hart traf es Finanzdatenanbieter: FactSet Research Systems verlor 10%, während S&P Global, Moody's und Nasdaq ebenfalls stark einbrachen. Thomson Reuters, Salesforce und LegalZoom gehörten zu den am stärksten betroffenen US-Aktien — die Verkaufswelle breitete sich sogar auf asiatische IT-Unternehmen wie Tata Consultancy und Infosys aus.
Der Auslöser? Investoren erkannten, dass Claudes neue Tools genau die professionellen Workflows automatisieren können, die diese Unternehmen als Kernprodukte verkaufen.
Claude Opus 4.6: Mehr als nur ein Upgrade
Als ob die Cowork-Turbulenzen nicht genug wären, legte Anthropic am Donnerstag mit Claude Opus 4.6 nach — dem neuen Flaggschiff-Modell mit mehreren Durchbrüchen:
- 1 Million Token Kontextfenster — ermöglicht die gleichzeitige Analyse riesiger Dokumentensammlungen
- Agent Teams — mehrere KI-Agenten arbeiten parallel an komplexen Projekten und koordinieren sich untereinander
- PowerPoint-Integration — ein direkter Angriff auf Microsofts Copilot-Angebote
- Überlegene Leistung bei realen professionellen Aufgaben, laut Anthropic besser als GPT-5.2
Die Agent-Teams-Funktion ist besonders bemerkenswert: Nutzer können mehrere KI-Agenten gleichzeitig einsetzen, die verschiedene Aspekte eines größeren Projekts bearbeiten — ähnlich wie menschliche Teams Aufgaben aufteilen. Die Funktion ist derzeit als Forschungsvorschau für API-Nutzer und Abonnenten verfügbar.
OpenAI schlägt zurück: GPT-5.3-Codex
OpenAI ließ sich nicht lumpen und veröffentlichte am 5. Februar GPT-5.3-Codex — das bisher leistungsstärkste Coding-Modell des Unternehmens:
- Agentisches Entwicklungsmodell: Kann Tools nutzen, einen Computer bedienen und längere Aufgaben Ende-zu-Ende abschließen
- 25% schnellere Leistung gegenüber dem Vorgänger
- Verfügbar überall: CLI, IDE-Erweiterungen, Web-Interface und die neue macOS-Desktop-App
- Cybersecurity-Bedenken: OpenAI selbst warnte vor "beispiellosen Cybersicherheitsrisiken"
- Selbstreferenziell: Das Modell half laut OpenAI dabei, sich selbst zu entwickeln
Googles Gegenschlag: $185 Milliarden und 750 Millionen Nutzer
Google zeigte diese Woche, warum es Reuters zufolge "vom Nachzügler zum Marktführer" aufgestiegen ist:
- $175–185 Milliarden geplante Kapitalausgaben für 2026 — eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr
- Gemini erreicht 750 Millionen monatlich aktive Nutzer (von 650 Millionen im Vorquartal)
- Gemini 3 Flash erhielt Agentic Vision — eine Kombination aus visuellem Reasoning und Code-Ausführung
- Agentic Commerce: Konsumenten können bald direkt in Konversationen einkaufen
Alphabet positioniert sich klar als der KI-Infrastruktur-Gigant und investiert mehr als Meta, Microsoft und Amazon zusammen in KI-Rechenzentren.
Die $650-Milliarden-Frage
Bloomberg bezifferte die kombinierten KI-Investitionen der vier größten US-Techunternehmen auf $650 Milliarden für 2026 — eine Summe, die sich der Vorstellungskraft entzieht. Die Frage, die Investoren spaltet: Ist das visionäre Weitsicht oder rücksichtslose Überinvestition?
"Unlogisch" vs. "SaaS-Apokalypse"
Die Tech-Branche ist tief gespalten über die Bedeutung dieser Woche:
Die Optimisten:
- Nvidia-CEO Jensen Huang nannte die Befürchtungen "das Unlogischste der Welt" — KI werde Software nutzen und verbessern, nicht ersetzen
- Arm-CEO Rene Haas sprach von "Mikro-Hysterie"
- Wedbush Securities argumentierte, dass Unternehmen nicht über Nacht auf neue KI-Tools umsteigen können
- Gartner nannte Vorhersagen über das Ende von SaaS "verfrüht"
Die Skeptiker:
- Hedgefonds haben bereits $24 Milliarden in Software-Aktien leerverkauft — allein in diesem Jahr
- Jede neue KI-Fähigkeit beschleunigt den Druck auf traditionelle Geschäftsmodelle
- Die Parallele zu DeepSeek (die letztes Jahr $600 Milliarden von Nvidia-Aktien löschte) beruhigt nicht jeden
Was das für Entwickler und Unternehmen bedeutet
Für Software-Entwickler und technische Entscheider gibt es konkrete Erkenntnisse aus dieser Woche:
- KI-Agenten werden multimodal: Sowohl Claude als auch Codex können jetzt Tools nutzen, Browser steuern und komplexe Workflows orchestrieren — nicht nur Code schreiben
- Das Kontextfenster explodiert: Mit 1M Tokens bei Claude Opus 4.6 können ganze Codebasen oder Dokumentensammlungen auf einmal analysiert werden
- Spezialisierung schlägt Generalisierung: Die branchenspezifischen Cowork-Plug-ins zeigen, dass vertikale KI-Lösungen schneller kommen als erwartet
- Die Build-vs-Buy-Gleichung verschiebt sich: Wenn ein KI-Agent ganze Workflows abdecken kann, sinkt der Wert von SaaS-Punktlösungen
- Sicherheit wird kritisch: OpenAIs eigene Warnung vor Cybersicherheitsrisiken bei GPT-5.3-Codex zeigt, dass leistungsfähigere Modelle neue Angriffsvektoren eröffnen
Fazit: Die neue Normalität
Diese Woche markiert einen Wendepunkt. Nicht weil KI plötzlich alles kann — sondern weil der Markt zum ersten Mal wirklich begreift, wie schnell sich die Fähigkeiten von KI-Systemen entwickeln. Die Billionen-Dollar-Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell KI traditionelle Software-Geschäftsmodelle transformiert.
Eines ist sicher: Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Ausverkauf eine Überreaktion war oder der Beginn einer grundlegenden Neubewertung der Software-Branche.
Dieser Wochenrückblick wird jeden Freitag/Samstag veröffentlicht. Folgen Sie uns für tägliche Analysen zu KI-Entwicklungen, die Ihr Geschäft betreffen.